Samstag, 3 Januar , 2009

Abiturquote ausländischer Schüler in Brandenburg am höchsten

Im Schuljahr 2003/04 haben in Brandenburg 44,8 % der ausländischen Jugendlichen das Abitur erlangt, bei den deutschen waren es 29,4%

(Die Abiturquote ausländischer Schülerinnen und Schüler in den Westländern liegt bei 8,9%!)

Diese Daten des brandenburgischen Landesbetriebs für Statistik müssten bei PISA-Astrologen für Begeisterung sorgen:

Brandenburg als neues Mekka für erfolgreiche Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund? Was können wir von Brandenburg lernen?

Die Abwesenheit von Leistung verachtenden Alt-68ern in den Lehrerzimmern? (Das vermutet PISA-Forscher Boos laut Super-Illu für PISA-Sieger Sachsen als eine Ursache.)

Es ist viel banaler:

Aus demographischen Gründen sind Klassenfrequenzen und Lehrer/Schülerrate günstiger als im Westen.

„Ausländerghettos” wie in Westdeutschland fehlen in Brandenburg.

In Brandenburg ist die Zusammensetzung der Schülerschaft mit Migrationshintergrund völlig anders als in den westlichen Bundesländern. Die  Westdeutschland prägenden Arbeitmigranten fehlen fast völlig.

Es sind überwiegend Kinder von jüdischen Kontingentflüchtlingen aus Russland (Dort stieg der Antisemitismus nach der russischen „Wende” an) und Kinder vietnamesischer Vertragsarbeiter (60000 gab es in der DDR, 20000 sind geblieben. Hinzu kommen polnische Schülerinnen und Schüler, die Brandenburger Schulen besuchen.

Die russischen Migranten sind meist gut ausgebildet, häufig Akademiker. Die vietnamesischen Kinder schneiden in jedem Land, in dem sie die Schule besuchen, gut ab, unabhängig vom Bildungsgrad der Eltern. (Wobei mich Günther Brée darauf aufmerksam macht, dass es nach seiner Erfahrung die vietnamesischen Kinder aus katholischen Familien sind, nicht aus buddhistischen, die in der Schule erfolgreich sind.)

Quelle: Karin Weiß, Ausländische Schüler in den neuen Bundesländern - eine Erfolgsstory, in: Georg Auernheimer (Hrsg.), Schieflagen im Bildungssystem. Die Benachteiligung der Migrantenkinder, Wiesbaden, 2. Aufl. 2006, pp.179 -192.

Vielleicht sollten Bildungsforscher einmal untersuchen, welche Programme Eltern helfen könnten, zum Schulerfolg ihrer Kinder beizutragen.

Mittwoch, 17 Dezember , 2008

Verlosung von Bücherpaketen

Der Bange-Verlag (Manz-Lernhilfen, Königs Interpretationen u. a.) verlost 100 Bücherpakete für Schulbibliotheken.

Montag, 15 Dezember , 2008

Frohe Weihnachten!

Weihnachtsbaum einer dänischen Universitätsbibliothek

Weihnachtsbaum einer dänischen Universitätsbibliothek; fotografiert von http://www.flickr.com/photos/donaldist/

Frohe Weihnachten an alle

Freundinnen und Freunde

des Schulbibliotheks-

wesens

Basedow1794 ist jetzt genau 12 Monate online.

Ich habe vor, 2009 weiterzumachen. Aber bis dahin lege ich eine kleine Pause ein.

Freitag, 12 Dezember , 2008

Spenden für Schulbibliothek in Nepal

Auf der Seite worldwidelibrary.de sammelt Estrella Velasco Spenden für ein Projekt in Nepal.

Donnerstag, 11 Dezember , 2008

Fahrtkostenpauschale und Schulbibliothek

Das Bundesverfassungsgericht, Hüterin des Gleichheitsgrundsatzes des GG, rügt den Unterschied zwischen Nah- und Fernpendlern, den der Gesetzgeber gemacht hat.

Nicht überall besteht das BVerfG so strikt auf Gleichheit.

Es gibt Schulen mit und Schulen ohne Bibliothek. Dass Schulen mit Bibliothek mehr Chancen für Schüler/innen bieten, dazu braucht man nicht die in diesem Fall gar nicht so eindeutigen PISA-Studien zu bemühen, das sieht man schon daran, dass Privatschulen mehr Wert auf eine Bibliothek legen als öffentliche.

Verletzung des Artikel 3 GG? Chancen für eine Verfassungsklage?

(Von den Unterschieden zwischen Opferrenten, Ehrenpensionen und Stasi-Renten wollen wir gar nicht reden. Und auch nicht davon, dass Alkohol erlaubt, Haschisch verboten ist. Letzteres kann imho auch so bleiben.

Update 16.12.08:  Es gibt ca. 200000 deutsche Zivildeportierte. Das sind Menschen, vor allem junge, die von  den Sowjets ab 1944 aus den von der roten Armee besetzten ostmitteleuropäischen Gebieten in die Sowjetunion zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Das wurde auch von den West-Alliierten als Teil der Reparationsleistugnen anerkannt.

Seit die in den 50er Jahren aus dem GuLag entlassen wurden, fielen sie durch alle Entschädigungsraster. Abgesehen davon davon passten sie in der DDR nicht zur deutsch-sowjetischen Freundschaft. Appelle an Bundespräsident Herzog und Bundeskanzler Schröder blieben ohne Echo. Im Jahr 2009, nach 60 Jahren, kann erstmals eine einmalige Entschädigungszahlung beantragt werden. Bei Stasi-Renten und Ehrenpensionen ging das schneller! )

Donnerstag, 11 Dezember , 2008

“Missionsarbeit” für Schulbibliotheken

Erfreuliches geschieht im Südwesten:

Der Verbund der Freien Katholischen Schulen des Bistums Stuttgart-Rottenburg veranstaltete kürzlich eine Fortbildung zum Thema “Schulbibliotheken”. Die Veranstaltung trägt Früchte:

Das Schulamt der Diözese hat inzwischen eine Bibliothekarin aus der Verwaltung beauftragt, sich um die Schulbibliotheken zu kümmern. (Die freut sich sehr auf diese neue Aufgabe.)

Eine Schule ohne Bibliothek, die auf der Tagung vertreten war, richtet jetzt eine Bibliothek ein.

Eine weitere plant in einem Erweiterungsbau u.a. auch die Schulbibliothek ein.

(Frau Drauz von Fleischmann Software, die diese Veranstaltung maßgeblich angeregt hat, verdanke ich diese Informationen.)

Mittwoch, 10 Dezember , 2008

Kulturrevolution in US-Schulbibliotheken

Die typische US-amerikanische Schulbibliothek ist kein Ort, an dem man sich gerne aufhält. Das liegt, neben der starren Art der Nutzung, sehr stark auch an der nüchternen Einrichtung.

Aber es zeichnet sich ein neuer Trend ab: Schulbibliotheken werden in hellen Farben angestrichen und erhalten Sitzecken. Man muss nicht mehr flüstern. Wenn das Geld reicht, werden moderne Multimediageräte angeschafft. Als Treffpunkt machen sie sogar der Raucherecke Konkurrenz.

Der neue Name dafür: Learning commons, frei übersetzt etwa: Lernzentrum, Lerntreff

Beispielsweise in Massachusetts, aber auch in New York.
.

Mittwoch, 10 Dezember , 2008

IGLU 2006: Hessen führt bei lesenden Jungen

Wenigstens ein Trost bleibt:

Hessen teilt sich mit Ungarn und  Hongkong einen weltweit dritten Platz in der Disziplin “gern lesende Schüler” .

In diesen drei Ländern sind es nur 14% der Jungen, die angeben, außerhalb der Schule fast nie oder nie zum Vergnügen lesen.

Besser sind, d.h. noch weniger leseunlustige Schüler im vierten Schuljahr haben  nur noch Moldawien (7%) und Litauen (11%)

Quelle: Presseinfo IGLU (Tabelle Seite 18  )

(Das noch vor Hessen liegende Russland habe ich rausgelassen, da dessen Stichprobe zu gering war.)

Siehe auch PISA-Astrologie!

Dienstag, 9 Dezember , 2008

Dienstleistungswüste D

Ein Zwischenruf: Es gibt auch für mich noch ein Leben jenseits der Schulbibliotheken. Obwohl das meine Frau bezweifelt. Aus diesem anderen Leben gibt es nicht nur Erfreuliches zu berichten:

Neulich bei Saturn im Berliner Europa-Center: Ich bringe eine am Vortag gekaufte Tastatur wegen eines mechanischen Problems zurück. “Das tauschen wir unbürokratisch um”, sagt der Verkäufer. Ich bin sprachlos.

Ich hatte nämlich mal mit einer vom ersten Tag an defekten Waschmaschine mit Saturn Probleme. Aber diese Geschichte zu erzählen, würde den Umfang des Beitrages sprengen. (Die hatten damals scheinbar noch keinen Kundendienst.)

“Ich brauche nur noch einen Stempel. Ich bin gleich wieder da.”

Nach 40 Minuten und dem dritten Anlauf, einem anderen Verkäufer zu erklären, warum ich hier herumstehe (”Das dauert, hier im Haus einen zu finden, der etwas abstempelt.”), erbarmen sich zwei Männer meiner.

“Der macht bestimmt Mittag”, sage ich zu meiner Frau. Nach weiteren zehn Minuten kommen die beiden: “Ihr Zettel lag auf einem Schreibtisch, der Kollege ist in die Mittagspause.”

Das erinnert mich an das Schuhhaus Görtz in Frankfurt/M. Dort probierte ich gerade ein weiteres Paar Schuhe. Für ein Paar hatte ich mich schon entschieden. Da ich seit Jahrzehnten immer wieder die gleichen Produkte kaufe, dauert der Schuhkauf bei mir nie lange.

Ich mache einen Gehversuch mit dem neuen Schuh, da sagt der Verkäufer: “Ich habe jetzt Mittag” und geht.

Bis gestern hielt ich Amazon für einen Händler mit dem absolut besten Kundendienst. Ich hatte 1998 einen begeisterten Aufsatz über den Online-Auftritt geschrieben (Hätte stattdessen Aktien kaufen und 10 Jahre liegen lassen sollen.) Wenn man da ein Buch für 6,95 bestellt, kriegt man mindestens drei e-mails.

Kein Vergleich zum 2001-Versand. Die hatten mir mal eine falsche CD-ROM zugeschickt. Bei amazon wäre das ein Klacks gewesen. Bei 2001 wurde es eine Herausforderung für mich. Und das Wort “Entschuldigung” kennt man dort nicht. Aber der Katalog ist locker flockig. Zu dem Texter sollte man mal die Kundendienstler von 2001 in die Lehre schicken!

Jetzt hatte ich von dem prime-Angebot bei amazon Gebrauch gemacht: Lieferung über Nacht im günstigen Abonnement. Die Lieferung kam nicht über Nacht und auch noch nicht nach drei Tagen. Mein Geld hatte Amazon aber schon abgebucht. Ich arbeite mich durch die - durchaus vorbildlichen - Kontaktformulare durch und frage bei Amazon an. Es kam prompt eine sprachlich gelungene Mail. Ich will sie mal ins Umgangsdeutsch übersetzen:  “Lieber Michael, wir haben das Buch abgeschickt, Du hast es bezahlt. Wenn es noch nicht bei Dir eingetroffen ist, tut uns das leid, aber darum musst du Dich schon selbst kümmern und zwar bei dhl. Wir haben unsere Arbeit gemacht.” Ach so. Habe wohl etwas altmodische Vorstellungen von Handel und Wandel.

Die Paketverfolgungssoftware von dhl meldet mir im gleichen Atemzug (Wie sagt man das bei Software?): “Paket zugestellt - Keine Auslieferung wg. Feiertag oder Urlaub”. Feiertag war nicht, Urlaub habe ich auch nicht gemacht. Unter Angabe der RFID-Paketnr. frage ich bei dhl nach. Es kommt keine Erklärung, sondern die Aufforderung, meine Anschrift zu nennen. Erst dann könne man Nachforschungen anstellen.

Da ich als Kunde Gebühren bei den Kundenhotlines zahlen muss, versuche ich es gerne erstmal mit einer e-Mail. E-plus bietet dann einen telefonischen Rückruf an (kostenlos?). Ich lann sogar einen Rückruftermin nennen. Am angegebenen Tag warte ich eine Stunde neben dem Telefon, nehme es überall hin mit.

Wenn sie wenigstens eine SMS geschickt hätten: “Alle unsere Leitungen sind im Moment belegt. ” Oder: “Ihr Umsatz ist so gering, Ihre Probleme interessieren uns daher nicht. Wir haben 6 Millionen zufriedene Kunden, da kommt es auf Sie nicht an.” Auf eine zweite Mail reagieren sie auch nicht.

Im Betriebswirtschaftsstudium lernt man, dass es sich eher rechnet, einen Neukunden zu gewinnen, als einen Altkunden zu halten.

Aber es geht auch anders:

Am selben Tag habe ich in zwei verschiedenen Geschäften - warum auch immer - Glockenbrot gekauft. Beide Packungen enthielten Schimmel.

Tage später steht ein Vertreter der Firma vor der Haustür. Er hat einen ganzen Karton voller Backwaren der Firma, inklusives eines Christstollens dabei.

Auch wenn ich selten Toastbrot esse: Oft nehme ich eine Packung mit. Irgendwer isst es auch auf. Das müsste ich dem Betriebswirtschaftsprof. mal mitteilen.

Montag, 8 Dezember , 2008

Medienkiste DDR (4): Antisemitismus, Leseland DDR

Dr. Gysi hat kürzlich in einem Beitrag im “Tagesspiegel” darauf hingewiesen, dass die DDR niemals antisemitisch gewesen wäre. Unter Ostalgikern gibt es einen Aufschrei, wenn diese Legende zerstört wird.

Wohlgemerkt, es geht nicht um Antizionismus oder Israel-Kritik. Dass die SED in Nahost Terroristen unterstützt und arabische Staaten mit Waffen versorgt hat, dass im DDR-Fernsehen Israel mit Hitler gleichgesetzt wurde, ist hier nicht gemeint.

Als Gysi 1990 den Jüdischen Weltbund um einen Milliardenkredit bat, um den Zusammenbruch der DDR zu verhindern, mit Verweis auf die revanchistisch-faschistoide BRD, gab es in amerikanischen Zeitungen und bei jüdischen Organisationen Verblüffung über so viel Chuzpe.

Man war sich der Geschichte der SED-Diktatur bewusst: Die antisemitischen Schauprozesse Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre, der Exodus der Vertreter jüdischer Gemeinden, die Behandlung des Holocaust als Fußnote der Geschichte, die Verweigerung jeglicher Entschädigungszahlen, die Aberkennung oder Verweigerung des Status als OdF, Opfer des Faschismus, wenn es um Juden ging.

Einer von Gysis Vorgängern als SED-Vorsitzende, Walter Ulbricht, war da weniger zimperlich. Er soll gesagt haben : “Wenn Hitler die Juden nicht schon enteignet hätte, hätten wir das gemacht.” Die jüdischen Genossen hat er nach und nach beseitigen lassen. Mielke war in seiner Ausdrucksweise nicht besser als Julius Streicher.

(Zur Klarstellung: In keinster Weise ist von mir beabsichtigt, Ulbricht  Hitler gleichzustellen. Oder Gysi Ulbricht oder Mielke.

Andererseits: Ulbrichts Wirtschaftspolitik wird in einem Jugendbuch des Fischer Verlages gelobt - Plenzdorf/Damann, ein Land genannt die DDR -  …)

Nachzulesen in:

Stefan Meining, Kommunistische Judenpolitik. Die DDR, die Juden und Israel, Hamburg: 2002, dokumentiert anhand von Protokollen und anderen Dokumenten  den Antisemitismus der deutschen Kommunisten von 1930 bis 1990.

In Westdeutschland wird bis heute gerne vom Leseland DDR geschwärmt, wo sogar noch Grillparzer gelesen worden wäre. (Warum auch immer.)

Zensurspiele. Heimliche Literaturgeschichte aus der DDR von Simone Beck und Siegfried Lokatis, Halle: 2008, dokumentiert in zahlreichen Beispielen die verquaste Zensur der SED. Aberwitzige Geschichten. Sehr lesenswert.

Das ist eines der Bücher, die schon alleine ausreichen, um klar zu machen, wie es ausgeht, wenn eine heilsversprechende Utopie mit gnadenloser Härte durchgesetzt wird.

Warum muss ich mir in Potsdam solche Bücher immer per Fernleihe besorgen, diesmal sogar aus Westdeutschland? (In akademischen Bibliotheken sind sie gelegentlich da, aber meist nur im Präsenzbestand.)

Update 09.12.08

Die “Runde Ecke“, Dokumentationszentrum in der ehemaligen Leipziger Stasi-Zentrale, hat eine Datenbank online gestellt, in der 1500 Objekte fotografiert und erläutert wurden. Man muss mal stöbern: “Postkontrolle” , “Schminken”, “Geruchsprobe”.

Hervorragend geeignet für Unterrichtsrecherchen!

Update 17.12.08:

In der Medienkiste “Ampelmännchen und Todesschüsse”  ist das Buch “Die DDR” von Hermann Vinke. Ich entdecke dazu gerade die Rezension in der Zeit (Luchs-Kinderbuchjury):  Luchs 267, Zeit Nr. 29, vom 10.07.08

Hermann Vinkes Buch über die DDR wird von der Kinderbuchjury der Zeit und Radio Bremen zu Recht empfohlen. Allerdings muss man es gegen den Rezensenten Volker Ulrich verteidigen.

Ulrich sieht in der Aufarbeitung der SED-Diktatur einen eifernden Ton der Abrechnung, eine zunehmende Gleichsetzung der DDR mit dem „Dritten Reich” und liest in das  sachliche Buch seine DDR-Sicht hinein. Bisher hatte ich eher wahrgenommen, dass die DDR zunehmend verklärt wird, man wäre nett zueinander gewesen, die Luft wäre gesünder und die Mieten billiger gewesen.

Die political correctness verbietet es, auf Parallelen zwischen den beiden Diktaturen hinzuweisen. Dass Potsdam etwa 1953 erneut „judenrein” war, behält man besser für sich. Die DDR war ja angeblich nie antisemitisch, höchstens antizionistisch.

Ulrich zitiert aus Vinkes Buch „die höchste Frauenerwerbsquote der Welt” als SED-Errungenschaft. Bei Vinke steht vorher der Satz, wem das geschuldet war, nämlich dem Arbeitskräftemangel (p. 65). Die DDR-Paschas, vorneweg die alten Männer des Politbüros,  feierten die Doppelbelastung ihrer Frauen auch noch mit dem Weltfrauentag.

Ulrich lobt das angeblich vorbildliche DDR-Schulsystem. Vinke ist da vorsichtiger. Das rigide DDR-Schulsystem wird gerade von Journalisten zunehmend verklärt. Als ob es nie eine Odenwaldschule, integrierte Gesamtschulen oder die Laborschule gegeben hätte.

Während der friedlichen Revolution war man sich noch einig, dass die DDR-Schule die Menschen deformiert habe, wie Christa Wolf es formulierte.

Und was die Leistungen angeht, so konnten sich die westdeutschen Lehrer während der Ausreisewelle davon überzeugen, dass die im rezeptiven Unterrichtssystem der Diktatur hervorragend benoteten Übersiedlerkinder ganz schnell in der Mitte der Notenskala ankamen. Die DDr-Lehrer mussten Rechenschaft ablegen, wenn sie schlechte Noten gaben.

Es macht auch sicher einen Unterschied, ob eine Diktatur ihren gesamten Repressionsapparat gegen Jeans- und Rock´n-Roll-Liebhaber einsetzt oder eine westliche Vätergeneration darauf aggressiv reagiert. Ulrich setzt das gleich, Vinke nicht.

Vinkes Buch ist ein brauchbares Nachschlagwerk für Jugendliche. Es hat nur diese Besprechung in der “Zeit” nicht verdient.