2009/11/08

Ein digitaler Bücherbus

Ich wollte keinen Bücherbus, sondern einen Truck.

1994 durfte ich ihn bauen. Nach dem Scheitern der Pläne für schulbibliothekarische Arbeitsstellen in jedem Landkreis war der Truck ein Rettungsversuch. Eine mobile Beratungs- und Fortbildungseinrichtung für Schulbibliotheken und Leseförderung, das „Lesemobil“. Ich kannte den niedersächsischen Lesebus und hielt dessen Raumaufteilung für wenig originell und untauglich für Fortbildung. Ein Sattelschlepper mit ausfahrbarer Kabine als Seminarraum sollte es sein und eine zünftige Zugmaschine. Wenn die auf den Schulhof führe, würden alle Schülerinnen und Schüler zu Leserinnen und Lesern.

Aber es waren „Kröten“ zu schlucken: Wir mussten das Fahrzeug mit den Theater-, Musik-, Kunstpädagogen und den Videofilmern teilen. Außerdem reichte das Geld nicht für einen klassischen US-Truck a la Mack, Freightliner oder Kenworth.  Es wurde ein untermotorisierter MAN-Sattelschlepper, der die mobile Theaterbühne, das Beleuchtungsset und die Videokoffer mit Mühe über die Hügel des Hintertaunus zog. Das Handy für den Fahrer und den Windabweiser auf dem Kabinendach musste ich wieder abbestellen, das Ministerium sparte an jeder Ecke.

Das Fahrzeug, Kulturmobil genannt, fährt die Schulen noch heute an und bietet Fortbildung in den genannten künstlerischen Bereichen. Die „grauen Mäuse“ des Schulbibliothekswesens sind schon lange nicht mehr dabei. Sie erfüllten die Quoten nicht. Zu ihren Veranstaltungen kamen 5 oder 7 Lehrer/innen, zu den Musik- oder Theaterkursen 18 oder 25. Das Wort Schulbibliothek auf der Außenhaut wurde überpinselt.

Ich erinnere mich daran, weil ich gerade Fotos von einem digitalen Büchertruck der Bibliothek von Charlotte und Mecklenburg County, NC, USA, sehe.

Dieses digital book mobile dient zur Information über, zur Nutzung und Ausleihe von e- und Audiobooks, Musik und Videos.

2009/11/07

ENSIL mit neuer Website und neuem Flyer

ENSIL, der europäische Verbund für Schulbibliotheken und Informationskompetenz, 200o am Rande der IASL-Konferenz in Malmö angedacht, seit 2003 bestehend, hat eine neue Website und einen Flyer.

Lourense Das, die rastlose und rührige ENSIL-Sprecherin, durften wir kürzlich auf dem 19. Schulbibliothekstag in Hofheim/Td. begrüßen.

Das schulbibliothekarische Entwicklungsland Deutschland spielt im europäischen Zusammenhang keine wesentliche Rolle. Um so mehr freut es uns, dass wir in diesem Kreis anerkannt sind. Auch die Expertengruppe „Bibliothek und Schule“ des dbv ist inzwischen dazu gestoßen.

Man kann viel lernen von den Frauen um Maria José Vitorino im portugiesischen Bildungsministerium, den „Müttern“ des Schulbibliothekswunders in Portugal. In den Niederlanden ist es neben Lourense Helen Boelens, die die Bibliothek im Kalsbeek-College leitet.  In Italien Luisa Marquardt, die an einer römischen Universität Bibliothekare ausbildet und vom Weltschulbibliotheksverband IASL kürzlich wegen ihrer Verdienste geehrt wurde. Werner Schöggl in Wien gehört dazu und Monika Nilsson in Schweden. Und viele andere natürlich.

Luisa ist übrigens LAG-Mitglied. Sie reiste Ende der 90er Jahre wegen der Schulbibliotheken durch Europa und wurde vom damaligen Deutschen Bibliotheksinstiut u. a. nach Hessen geschickt. Am 28. 11. wird sie den Potsdamer Schulbibliothekstag besuchen.

2009/11/07

VW schenkt Wolfsburg eine Gesamtschule

Reinhard Kahl ist begeistert vom Projekt. Wenn Ferdinand Piech eine Gesamtschule baut, ist auch die CDU dafür.

2009/11/06

Bücherkiste zur DDR-Geschichte für Hessens Schulen

Die drei Bücherpakete zum DDR-Thema sind vergeben. Gewinner der Bücher und Medien im Wert von jeweils über 600 € sind die Schulbibliotheken der

  • Ricarda-Huch-Schule, Gießen
  • Geschwister-Scholl-Schule, Bensheim
  • Burggymnasium, Friedberg

Die Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken (LAG) stellt seit 1992 Bücherkisten zu Themen des Unterrichts von Grund­schule bis Oberstufe zusammen, die Anregungen für den Bestandsaufbau in Schulbibliotheken geben sollen. Die Kisten können aber auch an drei Schul­standorten in Hessen ausgeliehen werden.

Das DDR-Paket, 28. Thema des LAG-Projekts, wurde wegen der Diskussion um die Aufarbeitung der SED-Diktatur in den Schulen zusammengestellt. Darin sind u. a.  Bücher von Klaus Kordon über seine verratene Flucht aus der DDR und den Zuchthausaufenthalt, Grit Poppes „Weggesperrt“ über die Behandlung auffällig gewor­dener Jugendlicher in geschlossenen Jugendwerkhöfen, aber auch Sachbücher über die Planwirtschaft, über Jeans und West­radio, glückliche Jugendzeit und schweigende Klassenzim­mer, „Klassiker“ wie Reiner Kunzes „Wunderbare Jahre“, DVDs der Stiftung Aufarbeitung und informative Internetadressen.

Die LAG fordert moderne, multimediale Schulbiblio­theken . In diesen Räumen lernen Schülerinnen und Schüler mit Büchern und digitalen Medien. Sie lernen dabei, wie man sich informiert, wie man im Team arbeitet, wie man vorträgt.

Der „Lernort Schulbibliothek“ ist ein wesentlicher Faktor bei der Steigerung der Schul­qualität. In Ländern, die dies schon länger praktizieren, wurde festgestellt, dass gute Schulbibliotheken deut­lich zur Steigerung von Schülerleistungen beitragen.

Die Hürde für die Teilnahme an der Verlosung war hoch. Die Schulen mussten nämlich nachweisen, dass ihre Schulbibliothek auf der Startseite der Schulhomepage  steht. Die LAG sieht einen Maßstab für die Wertschätzung in der Schulgemeinde, wenn die Schulbibliothek mit aktuellen Informationen oder ihrem elektroni­schen Katalog schnell und einfach auf der Schulhomepage zu finden ist.  22 Schulbibliotheken der Sekun­dar­stu­­fe, die diese Bedingung erfüllen, hatten sich beworben.

Übergeben werden die Bücherpakete vom LAG-Vorsitzenden Hans Günther Brée am Montag, dem 9.11.09, im Weidiggymnasium in Butzbach.

2009/11/06

Gelungener Start für Schleswig-Holsteins Schulbibliothekswesen

Der 1. Schulbibliothekstag Schleswig-Holsteins zog trotz nasskalten Winterwetters 70 Teilnehmer/innen aus dem ganzen Bundesland an. Die gastgebende Schule, das Gymnasium Altenholz, präsentierte sich von ihren besten Seiten. Dazu gehören zweifellos zum einen die großzügig bemessene Arbeitsbibliothek für die Oberstufe, zum anderen die Schülerinnen und Schüler, die Bibliotheksleiter Andreas Borrmann für die Mitarbeit an diesem Nachmittag gewonnen hatte. Auch tagungserprobte Referentinnen waren begeistert vom Engagement der angehenden Abiturientinnen und Abiturienten bei der Assistenz für die Referenten und der Mitwirkung in Workshops.

Monika Gumz informierte über empathisches Lesen, Jaqueline van Laak über die Gestaltung von Schulbibliotheken, Monika Wachtel  über Medienkisten der Büchereizentrale,  Kathrin Reckling-Freitag über Kooperation Bibliothek und Schule, Günter Schlamp über das Lernen von Arbeitstechniken in der Schulbibliothek. Ilona Munique gelang es, in 45 Minuten den Teilnehmerinnen und -nehmern Basics des fundraising beizubringen und Ideen zu entwickeln lassen, mit denen man Sponsoren gewinnt.

Schleswig-Holstein hat mit der Büchereizentrale, einem Verein, der von den Landkreisen getragen wird, eine Einrichtung, die in der Lage wäre, mit ihren bibliotheksfachlichen Dienstleistungen auch Schulbibliotheken zu unterstützen. Was fehlt, ist der politische Auftrag dazu.

In der abschließenden Podiumsdiskussion zeigte sich, dass die Tagung Denkanstöße hervorrief: Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen, der Leiter der Büchereizentrale, sah zahlreiche Berührungspunkte zwischen Schulbibliotheken und dem Auftrag der Büchereizentrale. Die Vertreterin des Instituts für Qualitätsentwicklung SH (IQSH) des Bildungsministeriums, Frauke Wietzke, versprach, Fortbildungsangebote auch für ehrenamtliche Schulbibliotheksmitarbeiter/innen zu ermöglichen und erbat dafür die Unterstützung der Büchereizentrale, die ihrerseits anbot, auch Schulbibliotheken in ihren Newsletter-Verteiler aufzunehmen.

Ein viel versprechender Tag mit neuen Ideen und ein Triumph für die Netzwerker/innen, die Menschen zusammenbringen, damit das Schulbibliothekswesen blüht.

Ich bin in der glücklichen Lage, auf Ilona Munique verweisen zu können, die in ihrem Blog fobikom auf mein Eröffnungsreferat eingeht und Fotos gemacht hat.

2009/11/06

Lesetipp: Donata, Tochter Venedigs

Donna Jo Napoli ist Amerikanerin mit venezianischen Wurzeln. Ihre große Liebe gehört Venedig. Die Linguistin und Mathematikerin hat zahlreiche preisgekrönte Kinder- und Jugendbücher geschrieben. Drei davon haben Venedig als Handlungsort. Diesmal geht es weit in die Geschichte zurück, ins Venedig des 16. Jahrhunderts. Die 14jährigen Zwillingstöchter einer adligen Kaufmannsfamilie, eine von ihnen ist Donata, die Titelheldin, leben behütet im Palast der Eltern. Die Brüder haben einen Hauslehrer und dürfen sich in der Stadt frei bewegen. Das bleibt den Mädchen verwehrt. Sie erwartet das Schicksal der jüngeren Töchter einer adligen Familie: Die älteste wird verheiratet, die nächste geht ins Kloster, die dritte wird als Tante die Kinder der Brüder großziehen. Donata rebelliert. Sie möchte lernen können wie die Brüder und Venedig entdecken. Sie schleicht sich als Junge verkleidet mehrfach aus dem Haus, schließt eine Freundschaft im jüdischen Ghetto, übersteht diverse Abenteuer und gelangt immer wieder unentdeckt in den Palast, weil der ledige Onkel als deus ex machina rechtzeitig die Tür entriegelt.

Sie wird wie die Brüder vom Hauslehrer unterrichtet und nimmt den Frauenfeind durch Wissensdurst und nachdenklichen Fragen für sich ein. Schließlich entzieht sie sich der auf sie zukommenden Verheiratung mit einer Lügengeschich­te.

Die Emanzipationsgeschichte eines modernen Teenagers im falschen Jahrhundert? Nein, „Donata, Tochter Venedigs“ ist ein Geschichtsroman und kein Missbrauch der Geschichte für eine Teenie-Romanze. Es wird sehr realistisch erzählt und es stört überhaupt nicht, dass dennoch alles immer wieder, wie im Märchen, gut geht.

Donata, die Ich-Erzählerin spricht manchmal etwas gestelzt, sie „schreitet“ und „er­hebt“ sich, redet aber auch Slang: „Sollen wir das ganze Garn an einem einzigen Morgen auf Spulen gewickelt bekommen?“ Sei´s drum, ich kenne kein Venedig-Buch, in dem so gut, so dicht, so authentisch von Venedig erzählt wird.

Also: Gute Ferienlektüre für Venedigfans, für Napoli-Fans, für Fans emanzipato­ri­scher Mädchenbücher. Gewidmet hat Donna Jo Napoli ihr Buch der Venezianerin, die 80 Jahre nach der fiktiven Donata als erste Frau an einer Universi­tät zur Doktorin promoviert wurde.

Donna Jo Napoli: Donata, Tochter Venedigs Fischer Schatzinsel, 14,90 €, 3-596-85124-6

2009/10/31

Lesetipp: „drüben“ von Simon Schwartz

Simon Schwartz, drüben, 14,95 €, 112 Seiten, avant-Verlag 978-3939080374

"drüben" von Simon SchwartzDie Bilder dieser graphic novel, wie anspruchsvolle Comics heute auf Deutsch heißen, sind eindringlich. Sie wirken auf mich noch eindringlicher als die Schwarzweißfotos von der untergehenden DDR, die jetzt in vielen Ausstellungen zu sehen sind.

Da gibt es die Zeichnung vom Todesstreifen an der Berliner Mauer, auf den ersten Blick an eine Modellbahnlandschaft erinnernd, dann aber kommt die Assoziation von Gewalt, Schrecken und Angst. Der Grenzübergang Friedrichstraße aus der Perspektive eines Fünfjährigen. Die beiden Seiten ersetzen eine ganze TV-Dokumentation.

Der Zeichner und Autor Simon Schwartz erzählt hier die Geschichte seiner Eltern, eines Studentenehepaares, das lange um die Entscheidung ringt, die DDR zu verlassen. Das führt zum Konflikt mit den stramm kommunistischen Eltern des Vaters von Simon. Als Lehrbeauftragter einer Hochschule muss er die Rede des Parteisekretärs zum Einmarsch der sowjetischen Brüder in Afghanistan verlesen. Als er daraufhin einen Ausreiseantrag stellt, wird er im Auditorium öffentlich aus der Partei und der Hochschule ausgeschlossen. Auch die Zeichnungen von dieser Sitzung ersetzen dicke Bücher.

Schwartz gelingt es, mit wenigen Strichen einen Raum, eine Situation, ein Gesicht sprechen zu lassen. Und der Leser und Betrachter wird nicht erschlagen von einer Überfülle bunter Bilder, sondern kann sich seine eigenen Gedanken machen.

All dies ist auch ein Stück normaler DDR-Alltag, wie er in den Alltagskulturmuseen, die in Ostdeutschland überall existieren, aber angeblich kaum vorkommen, nur selten gezeigt wird. Die Unfreiheit, die Bespitzelung treiben selbst Gutwillige zum Ausreisantrag. Das wird in dieser schwarz-weißen Bildersprache hervorragend umgesetzt.

Es dürfte sich lohnen, diesen Band Jugendlichen zu geben. Auch ohne viel Sachwissen wird mit diesem Medium deutlich, vielleicht sogar deutlicher als mit Arbeitsblättern und Videoclips, was es bedeutete, in diesem Staat zu leben.

„drüben“ ist eine gut geeignete Ergänzung der LAG-Medienkiste „Ampelmännchen und Todesschüsse und wird in mehreren Exemplaren aufgenommen.

Auch in Potsdamer Buchhandlungen, in denen zum Thema DDR vorwiegend Ensikat, Krenz, Dahn und Hensel ausliegen, ist das Buch per Bestellung erhältlich.

2009/10/30

Ein Bücherbus für Berliner Grundschulen

Ein Bücherbus nur für Grundschulen rollt in Berlin-Reinickendorf.

Die für Schule zuständige Bezirksstadträtin hat ihn laut Pressemitteilung initiiert. Sie sagte bei der Vorstellung: „Die Anschaffung des Busses ist eine Investition in die Zukunft unserer Kinder. Die so wichtige Leseförderung und hier vor allem auch die Förderung des Leseverständnisses darf nicht bei Lippenbekenntnissen und Sonntagsreden bleiben. Mit dem Einsatz des Busses wird die regelmäßige, zielgerechte Nutzung der Bibliothek durch die Kinder ermöglicht. Diese scheitert bisher oft an den relativ langen Wegen von den Schulen zu den Bibliotheken, was bei regelmäßigem Besuch der Bibliotheken in der Summe zu erheblichem Unterrichtsausfall führen würde.“ Mehr

2009/10/28

Mitmachen bei Schulbibliothekspetition in Australien!

Die Petition soll die australische Bundesregierung verpflichten , sich an der Finanzierung  der Schulbibliotheken zu beteiligen. Etwa ein Drittel der australischen Schulen hat keine qualifizierten teacher-librarians.

Die Petition kann auch von Nicht-Australiern unterzeichnet werden. Ein Erfolg wird mit Sicherheit auch den Rest der (Schulbibliotheks-)Welt beflügeln.

Auch Schulkinder schreiben an die school boards, um gegen Kürzungen und Entlassungen bei teacher-librarians zu protestieren.  Egal, wie spontan diese Briefe entstanden sein mögen, einer gefiel mir besonders gut: Eine Schülerin, die morgens sehr früh in der Schule ankommt, liebt es, vor dem Unterricht in der Bibliothek in einem Buch zu lesen. Sie hofft, dass sie es auch zukünftig tun kann.

2009/10/27

Über Lesekompetenz

Gert Loschütz

Festrede auf dem 16. Hessischen Schulbibliothekstag 2003 in den Beruflichen Schulen Witzenhausen

Austreibung eines Wortes

Im Zusammenhang mit dem, was jetzt Bildungsmisere genannt wird, ist ein Wort aufgetaucht, das mir sofort eingeleuchtet hat, und zwar so, dass ich es im Gespräch mit einem Freund, der Lehrer ist, selber häufig benutzt habe, das Wort Lesekompetenz, bis mir auffiel, dass ich es nicht mehr hören und aussprechen konnte, ohne dass sich ein Unbehagen bei mir einstellte, das sich mit der Zeit zu einem regelrechten Widerwillen ausgewachsen hat.

Bevor ich erkläre, warum, muss ich dazu sagen, dass ich durchaus weiß (oder zu wissen glaube), was damit gemeint ist, und dass mir darüber hinaus klar ist, dass man sich auf einen Begriff einigen muss, wenn man einen Sachverhalt so eingrenzen will, dass er diskussionstauglich und der Sachverhalt selbst operabel wird. Die öffentliche Diskussion braucht Begriffe, die handlich sind und einen leichten Wiedererkennungswert besitzen, das ist ihr Vor- wie ihr Nachteil, denn nicht zuletzt aus diesem Grund geschieht es, dass sie sich – zunächst unmerklich – aus ihrem Rahmen lösen und selbständig zu machen beginnen, mit dem Erfolg, dass sie nicht mehr allein auf den vorgesehenen Fall angewendet werden, sondern in ihren Umdeutungen auch auf andere Fälle. Dies sei vorausgeschickt, um nicht gleich am Anfang in den Verdacht der Ahnungslosigkeit zu geraten. Nach einer Weile nämlich geschah folgendes: Wann immer ich in einer Diskussionsrunde jemanden das Wort Lesekompetenz aussprechen hörte, vernahm ich zugleich ein leises Kichern und etwas in mir fragte sich, wie es denn um die Lesekompetenz dessen bestellt sein mochte, der das Wort – fürsorglich, besorgt, in reformeri­schem Eifer oder von oben herab – im Mund führte.

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